20. September 2018|Flexibilitätsvermarktung

Strom: Wie Unternehmen mit Flexibilitäten Geld verdienen oder sparen

Flexibilität gehört im Bereich der Stromversorgung zu den „Buzzwords“, die momentan in aller Munde sind. „Flexibilität“, damit ist in diesem Zusammenhang die Möglichkeit gemeint, den Stromverbrauch von Maschinen und Anlagen oder die Produktion von Eigenstrom bewusst so zu steuern, dass daraus ein monetärer Mehrwert für deren Betreiber entsteht. Dadurch eröffnen sich zum Beispiel produzierenden Unternehmen wie der Chemie- und Pharmaindustrie, aber auch Eigenstromerzeugern sowie Betreibern von Rechenzentren, zahlreiche Chancen.

Warum Regelenergievermarktung nicht immer das Richtige ist

Was den Umgang mit Flexibilitäten betrifft, existieren verschiedene Konzepte, mit deren Hilfe sich Einsparpotentiale oder zusätzliche Erlöse erschließen lassen, z. B. die Regelenergievermarktung.

Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien entstehen im deutschen Stromnetz starke Schwankungen. Weht gerade kein Wind oder scheint keine Sonne, müssen die Netzbetreiber für einen Ausgleich sorgen, da sich die Erzeugung und der Verbrauch elektrischer Energie immer die Waage halten müssen, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Dies bewerkstelligen die Netzbetreiber durch den Einsatz von sogenannter Regelenergie (auch: Regelleistung). Gehandelt wird mit diesen Reserven auf einer speziellen Plattform der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber, dem Regelenergiemarkt.

Herrscht im Stromnetz zum Beispiel ein Überangebot, so reagieren die Netzbetreiber, indem sie die im Regelenergiemarkt befindlichen Anlagen Strom aus dem Netz entnehmen lassen. In diesem Zusammenhang sprechen wir von „negativer Regelenergie“.

Entsteht dagegen eine nicht prognostizierte, erhöhte Stromnachfrage, gleichen die Netzbetreiber diese mit kurzfristigen Einspeisungen der im Regelenergiemarkt befindlichen Anlagen in ihr Stromnetz aus. Mithilfe dieser „positiven Regelenergie“ stellen sie auch hier wieder das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Entnahme sicher.

Unternehmen, welche Regelenergie bereitstellen, leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Stromnetze und zur allgemeinen Versorgungssicherheit. Unabhängig davon, ob ihre Regelenergie genutzt wird, erhalten sie dafür eine „Bereitschaftsvergütung“. Wird ihre Regelenergie wirklich eingesetzt und abgerufen, erhalten sie zusätzlich zu der Bereitschaftsvergütung auch einen Arbeitspreis für die zur Verfügung gestellte Leistung (positiv oder negativ).

Der Haken für Unternehmen: Die Erlöse auf dem Regelenergiemarkt sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Darüber hinaus besteht für viele kleine und mittelständische Geschäftskunden nur die Möglichkeit, ihre Leistung in einem Pool mit anderen kleineren Kunden zusammengefasst anzubieten. Eine individuelle Vermarktung ist für sie in einem solchen Pool nicht möglich – die Erlöse hängen direkt von der Vermarktungsstrategie des jeweiligen Poolbetreibers ab.

Flexibilität: Management und Vermarktung

Aus diesen Gründen ist der Regelenergiemarkt für die eigenen Flexibilitäten nicht immer der optimale Vermarktungskanal. Besser dafür geeignet ist in vielen Fällen der Intraday-Handel auf dem Spotmarkt der European Power Exchange (EPEX SPOT SE), der europäischen Strombörse in Paris. Dort findet der Handel mit kurzfristig lieferbaren Strommengen statt. Unternehmen, die hier ihre Flexibilitäten vertreiben, können dadurch deutlich höhere Einnahmen generieren – oder Kosten sparen, indem sie Strom auf diesen Märkten zu besonders günstigen Zeitpunkten dazukaufen. Die Ertragskraft ist dabei immer von der Höhe der zur Verfügung gestellten Leistung (Flexibilität) abhängig. 

Vertreiben Unternehmen ihre Flexibilitäten auf dem Intrayday-Markt oder stillen sie ihren Bedarf dort durch kurzfristige Zukäufe, sprechen wir von Flexibilitätsvermarktung. Eng damit verknüpft ist das Flexibilitätsmanagement. Es schafft die Grundlage für die Vermarktung von freigewordenen Leistungsreserven oder den Zukauf bei Leistungsreduzierung der Kunden. Fremdbezug, Eigenerzeugung und sogar eine mögliche Zwischenspeicherung werden dabei so optimal wie möglich aufeinander abgestimmt und geben den Kunden dabei sowohl Planungssicherheit für die betriebenen Anlagen, als auch ertragreiche Zusatzerlöse durch eine optimale Strategie.

Dazu ein kleines Beispiel: Nehmen wir an, ein Industrieunternehmen hat in seiner Produktion die Eigenversorgung mit Strom aus einem BHKW (Blockheizkraftwerk) integriert. Produziert das BHKW nun den ganzen Tag über konstant Strom für die Produktion, so ist (im Regelfall) der selbst produzierte Strom günstiger als der am Markt dazugekaufte. Durch geschicktes Flexibilitätsmanagement taktet das Unternehmen den Betrieb dieses BHKW’s idealerweise so, dass dieses nur dann im Hochlast-Betrieb ist (also viel Strom erzeugt), wenn die Preise am Intraday-Markt höher sind, als die der Eigenerzeugung und somit überschüssiger Strom an den Markt verkauft wird. Im Gegenzug wird dann die Eigenerzeugung heruntergefahren (also wenig Strom erzeugt), wenn die Preise am Intraday-Markt deutlich geringer sind, als die Kosten der Eigenerzeugung. 

Unser Beispielunternehmen kann demnach einerseits Kosten sparen, wenn es im Laufe des Tages zu den besonders günstigen Zeitpunkten Strom vom Markt bezieht. Andererseits kann es Erlöse generieren, wenn es eigenen, überschüssigen Strom zu möglichst hohen Preisen am Markt verkauft.

Voraussetzungen für die Flexibilitätsvermarktung

An dieser Stelle wird deutlich: Ohne professionelle Unterstützung lässt sich die Flexibilitätsvermarktung für Unternehmen nur schwer durchführen. Zum einen ist es häufig schwierig, Flexibilitätspotentiale in den eigenen Prozessen ohne Vorerfahrung zu identifizieren.

Das gelingt aber zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Energieversorgern, die diese Dienstleistung in ihrem Portfolio haben und ihre Kunden dabei von Anfang bis Ende unterstützen – von der ersten strategischen Beratung über die Erstellung von Anlagen-„Fahrplänen“ bis hin zum Handel an der Strombörse.

Zum anderen müssen Unternehmen für die Flexibilitätsvermarktung eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, die mithilfe professioneller, erfahrener Unterstützung leichter umzusetzen sind:

  • Bei der Flexibilitätsvermarktung handeln Unternehmen auf dem Spotmarkt der EPEX. Dafür braucht es eine Börsenzulassung, über die – wenn überhaupt – nur spezialisierte Mitarbeiter in sehr großen Unternehmen verfügen. Alle anderen benötigen einen strategischen Partner, der dazu in der Lage ist, den Hochgeschwindigkeitshandel auf dem Intraday-Markt zu betreiben.
  • Darüber hinaus sind geeignete IT-Systeme notwendig, die Verbrauchsdaten (möglichst in Echtzeit) liefern und übertragen können. Dafür eignen sich zum Beispiel intelligente Messsysteme.
  • Weil der Handel auf dem Spotmarkt sehr kurzfristig stattfindet, müssen Unternehmen dafür qualifizierte Mitarbeiter sowie geeignete Prozessstrukturen bereitstellen. Nur dann kann die Flexibilitätsvermarktung zu jeder Tages- und Nachtzeit effizient durchgeführt werden.

Sie sehen: Um von der Flexibilitätsvermarktung profitieren zu können, sind in der Regel Vorinvestitionen nötig. Diese amortisieren sich allerdings in den meisten Fällen bereits nach kurzer Zeit. Denn die Chancen, dadurch Geld zu verdienen oder zu sparen, sind in vielen Fällen beträchtlich.

Kontakt

Ob Flexibilitätsvermarktung für ein Unternehmen das Richtige ist, lässt sich leider nie pauschal sagen. Wie eingangs erwähnt, ist das Verfahren vor allem für Industrie-, Pharma- und Chemieunternehmen interessant, aber auch für die Betreiber von Rechenzentren oder andere energieintensive Unternehmen. Sie können von der hohen Volatilität der Preise im Tagesverlauf an der Strombörse profitieren.

Ob das auch für Ihr Unternehmen gilt, können wir gerne besprechen. Sie erreichen mich unter Tel. 069 21382446 sowie per E-Mail an c.floering@remove-this.mainova.de. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme!

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Christian Flöring

Christian Flöring

Vertriebsmanager

+49(0)69213-82446