07. September 2018|Immobilienwirtschaft

Öko-Strom vom Dach: Das Mieterstrom-Modell und seine ökologischen Vorteile

In Deutschland profitieren hauptsächlich Hausbesitzer von der Möglichkeit, lokal produzierten Grünstrom zu nutzen. Mieter, die die Energiewende vorantreiben möchten, können sich zwar für einen Ökostromtarif entscheiden, um damit lokale Energieprojekte zu fördern. In dem Dickicht aus hunderten Angeboten den Durchblick zu behalten, ist aber knifflig. Denn nicht jedes Ökostrom-Produkt bietet den gleichen ökologischen Mehrwert.

Sie als Vermieter können Ihre Mieter hierbei unterstützen. Möglich wird dies mit Mieterstrommodellen. Doch wie funktionieren diese Modelle und welche ökologischen Vorteile ergeben sich dadurch für Sie und Ihre Mieter?

Das Grundprinzip von Mieterstrommodellen

Als „Mieterstrom“ bezeichnen wir Strom, der von dezentralen Erzeugungsanlagen produziert und ohne Netzdurchleitung an Endverbraucher in einem Gebäude in der unmittelbaren räumlichen Umgebung geliefert wird. Was zunächst abstrakt klingt, ist eigentlich recht einfach: Ein Vermieter installiert auf seinem Gelände (oder in unmittelbarer Nähe) eine Stromerzeugungsanlage (meistens eine Photovoltaikanlage oder ein Blockheizkraftwerk) und bietet den damit produzierten Strom für die Mieter seiner Wohn- oder Gewerbeeinheit an. Der Verbrauch erfolgt also da, wo auch produziert wird.

Dieser Direktstrom ist deutlich günstiger als z. B. der Grundversorgertarif  und rangiert preislich im Bereich gängiger Ökostromprodukte der Energieversorger. Schließlich entfallen dadurch die Netzentgelte, die rund ein Viertel des Gesamtpreises für Strom ausmachen. So besteht für Mieter die Chance, ggf. die eigenen Nebenkosten zu senken und gleichzeitig ökologisch nachhaltig produzierten Strom zu beziehen.

Vermieter, die Mieterstrommodelle in Eigenregie betreiben, werden rechtlich gesehen zum Energieversorger. Damit verbunden sind verschiedene Pflichten, die solche „Solo-Modelle“ für die meisten Immobilienbesitzer unattraktiv machen. Zumal noch die Investitionskosten hinzukommen, die sich erst nach einer gewissen Zeit amortisieren – je nachdem, wie viele Mieter den lokal produzierten Strom beziehen möchten.

Alternativ besteht für Vermieter die Möglichkeit, sich mit einem Energieversorger zusammenzuschließen. Diese bieten ihren Kunden  ein „All-Inclusive-Paket“ an:

  • Der Energieversorger übernimmt nicht nur die Investitionskosten für die Beschaffung und Installation der Erzeugungsanlage, sondern kümmert sich auch um deren Betrieb und die Wartung.
  • Das Investitionsrisiko liegt also beim Energieversorger: Rentiert sich die Anlage nicht, weil zu wenige Mieter das Angebot wahrnehmen, ist das ein Problem für den Betreiber – nicht aber für Sie als Vermieter. Sie erhalten im Rahmen des Modells eine kleine Pacht dafür, dass Sie Platz für die Anlage zur Verfügung stellen, und brauchen sich ansonsten um nichts zu kümmern.

Die Vorteile des Mieterstrommodells

Für Sie und Ihre Mieter ergibt das Mieterstrommodell aus mehreren Gründen Sinn. Zunächst einmal ist damit ein Imagegewinn verbunden. Sie präsentieren sich als umweltbewusster, moderner Vermieter. Dazu wirkt das Modell auf viele (potentielle) Mieter erfahrungsgemäß sehr anziehend. Das erhöht den Wert einer Immobilie und steigert die Bindung von bestehenden Mietern.

Zugleich erleichtern Sie es Ihren Mietern, sich an der Energiewende zu beteiligen. Wie eingangs erwähnt ist das für Laien kein leichtes Unterfangen. Mittlerweile gibt es hunderte verschiedene Ökostromangebote, die zum Teil eher mit Vorsicht zu genießen sind. Denn der Begriff „Ökostrom“ bezieht sich lediglich auf die Herkunft des Stroms, nicht auf die Produktionsumstände. Das bedeutet:

  • Der Ökostrom kann beispielsweise von einer älteren Anlage stammen (z. B. einem alten Wasser- oder Windkraftwerk). Die Energiewende fördern Kunden damit nur bedingt – denn die Anlage verrichtet ihren Dienst womöglich schon seit Jahrzehnten. Neue Energieprojekte werden auf diesem Weg nicht vorangetrieben.
  • Oder aber der Erzeuger hat lediglich einen Herkunftsnachweis beschafft (z. B. aus Skandinavien), durch den er nachweisen kann, dass Strom aus regenerativen Erzeugungsanlagen in das Versorgungsnetz eingespeist wird. In welches, spielt hierfür keine Rolle. Der lokale Strommix bleibt also unter Umständen unberührt.

Auch aus diesem Grund sind Mieterstrommodelle aus Mietersicht sehr interessant. Damit ist sichergestellt, dass der Ökostrom, den sie beziehen, tatsächlich von einer modernen, lokalen Erzeugungsanlage stammt. Kombinieren Sie als Vermieter dieses Modell mit einem Ökostromtarif Ihres Energiedienstleisters, der Energieprojekte vor Ort ebenfalls unterstützt, tragen Sie und Ihre Mieter im Idealfall doppelt zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei. Diese Kombination ist insofern notwendig, als sie mit ihrer eigenen Anlage nicht zu jedem Zeitpunkt im Jahr Strom produzieren können.

Wie Sie durch Mieterstrom mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen

Für Sie als Vermieter ist das Modell besonders dann sehr attraktiv, wenn Sie ein bestehendes Gebäude sanieren oder eine neue Immobilie bauen. Sind an Ihrem Dach zum Beispiel ohnehin Reparaturarbeiten nötig, können Sie im Zuge der Sanierung auch gleich eine Photovoltaikanlage installieren lassen.

Das gleiche gilt, wenn Sie Ihre Heizungsanlage erneuern möchten. Dann kann ein Blockheizkraftwerk unter Umständen eine Lösung sein, von der Sie gleich mehrfach profitieren: Sie gewinnen damit nämlich nicht nur Strom, sondern auch günstige Wärme, die Sie Ihren Mietern ebenfalls zur Verfügung stellen können.

Für Neubauten ist die Installation von regenerativen Energieerzeugungsanlagen ohnehin sehr zu empfehlen. Denn aufgrund der Energieeinsparverordnung der Bundesregierung müssen Neubauten eine Reihe von energetischen Voraussetzungen erfüllen – andernfalls drohen Ihnen als Eigentümer erhebliche Bußgelder. Dazu zählt beispielsweise die Primärenergiebilanz Ihres Gebäudes: Dieser Wert gibt wieder, wie ressourcenintensiv die in Ihrem Gebäude genutzte Energie erzeugt wurde. Die Vorgaben, die diesbezüglich gelten, lassen sich mit dem Einsatz von erneuerbaren Energien einfacher erfüllen.

Fazit

Gerade in ökologischer Hinsicht sind Mieterstrommodelle für Vermieter und Mieter eine sehr interessante Option. Vermieter können damit die Energiebilanz ihres Gebäudes erheblich verbessern und ihre Mieter an der Energiewende beteiligen. Dadurch binden sie ihre Mieter idealerweise stärker an sich. Denn lokal produzierten, günstigen Ökostrom gibt es trotz der Energiewende nach wie vor nicht überall. Und das Dickicht aus Öko-Angeboten und -Tarifen zu durchblicken, ist aufgrund der Vielzahl an Anbietern leichter gesagt als getan.

Ob das Mieterstrommodell für Ihr Gebäude oder Ihr Neubauprojekt praktikabel ist und wie sich ein solches Projekt durchführen lässt, können wir gerne besprechen. Sie erreichen mich per E-Mail an m.neff@remove-this.mainova.de sowie unter Tel. 069/213-27209.

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Matthias Neff

Vertriebsmanager

069-213-27209